Zur Teilhabe befähigen

29.06.2017 , Valida Zeitung

Die Valida integriert Menschen mit einer Beeinträchtigung in die Arbeitswelt. Das gelingt ihr dank speziell qualifiziertem Personal und einer angepassten Infrastruktur. Den Wert der Integrationsleistungen der Valida entschädigt der Kanton mit Leistungsbeiträgen.

Seit vier Jahren gelten für die Valida neue Rahmenbedingungen. Vor 2013 haben Bund und Kanton – einfach gesagt – die jährlichen Defizite von Institutionen gedeckt, die Arbeits- und Wohnplätze für Menschen mit einer Beeinträchtigung anbieten. Seit dem 1. Januar 2013 finanziert der Kanton die Leistungen, die notwendig sind, damit Menschen mit Beeinträchtigungen nachhaltig in die Gesellschaft integriert werden können. Dazu gehört auch die Integration in die Wirtschaft. Deshalb schafft die Valida Arbeits- und Ausbildungsplätze und ermöglicht mit ihren Betrieben und Dienstleistungen Menschen, die sonst weder Arbeit noch Ausbildung hätten, die Teilhabe an der Arbeitswelt.

Leistungen gemäss IBB-Punkten

Die Höhe der kantonalen Beiträge an die Valida richtet sich nach der Intensität der Betreuungsleistungen, welche die Menschen mit einer Beeinträchtigung erhalten. Wie sich bei der Pflege gebrechlicher älterer Menschen die Leistungen an der BESA-Liste orientieren, ist bei der Betreuung beeinträchtigter Menschen die IBB-Punkte-Liste massgebend. IBB steht für «individueller Betreuungsbedarf» und sieht in fünf Stufen unterschiedlich hohe Tagessätze vor. Parallel zu diesen kantonalen Beiträgen erwirtschaftet die Valida ihren Umsatz wie jedes andere Klein- und Mittelunternehmen (KMU). Die Erträge aus den Betrieben müssen zusammen mit der kantonalen Leistungsabgeltung das Tagesgeschäft finanzieren und zudem die Weiterentwicklung als KMU gewährleisten. Die Valida ist dabei den gleichen Marktkräften ausgesetzt wie ein «normales» KMU.

Ausgebildetes Personal

Martin Mock ist als Ressortleiter Arbeit, Bildung und Integration auch Mitglied der Geschäftsleitung der Valida. Er fasst den Unterschied der Valida-Arbeitsplätze zu einem Handwerksbetrieb zusammen: «Wir schaffen Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigungen und bieten soweit Hilfestellungen, dass sie die Arbeit möglichst selbständig und eigenverantwortlich erledigen können. Wir passen deshalb die Arbeitsschritte den Menschen an.» Während bei einem Handwerksbetrieb die fachliche Ausbildung der Angestellten vorausgesetzt sei, stehe bei der Valida die Betreuung der Mitarbeitenden im Mittelpunkt. So sind von den Betreuungspersonen neben dem handwerklichen Können vor allem so genannte agogische Fähigkeiten gefordert. «Um unseren Auftrag erfüllen zu können, müssen die Betreuungspersonen entsprechend ausgebildet sein. Diese agogischen Leistungen werden vom Kanton als Betreuungsleistungen finanziert.»

Anderer Ansatz

«Während in einem normalen Handwerksbetrieb die zentrale Anforderung an einen Arbeitnehmer ist «Bitte erledige diese Arbeit», sieht der gedankliche Ansatz bei uns ganz anders aus», erklärt Mock. «Wir gehen von der Frage aus, was es braucht, damit eine Person mit einer Beeinträchtigung die Arbeit auch erledigen kann.» Bei den Voraussetzungen, dass Menschen mit einer Beeinträchtigung eine Arbeit abliefern können, welche den Qualitätsansprüchen der Kunden und den Anforderungen des Marktes standhalten, erwähnt Martin Mock drei Aspekte: «Wir legen Fokus auf die Fähigkeiten und Ressourcen des Einzelnen. Das ist der agogische Teil unserer Aufgabe. Dann setzen wir zusätzliche Hilfs- oder Arbeitsmittel, aber auch Zeitressourcen dort ein, wo die Mitarbeitenden an ihre Leistungsgrenzen stossen. Und schliesslich gilt es, den Werkstattbetrieb wirtschaftlich zu führen.»

Aufgabe in Teilschritte aufteilen

Bevor die Mitarbeitenden mit der Arbeit beginnen können, müssen sie von den Betreuungspersonen richtig eingeschätzt werden. Martin Mock: «Die momentane mentale Verfassung vor allem bei Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung ist oft starken Schwankungen ausgesetzt. Arbeiten, welche heute problemlos erledigt werden können, sind schon morgen möglicherweise nicht mehr zu bewältigen. Mit Fachwissen und Empathie erreichen wir Sicherheit in der Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit.Wichtig ist, dass wir die vorhandenen Kompetenzen und Ressourcen der Person abholen können, sodass der Mitarbeitende in der Lage ist, die an ihn gestellte Aufgabe zu erfüllen. Schliesslich geht es darum, einen Entwicklungsprozess zu unterstützen und damit die betreute Person schrittweise auf eine grösstmögliche Selbständigkeit hinzuführen.»

Ist der Mitarbeitende für die Arbeit bereit, wird die anstehende Aufgabe in Teilschritte aufgeteilt. «Wir müssen sicherstellen, dass der Mitarbeitende in der Lage ist, die einzelnen Schritte auch auszuführen», erklärt Mock. «Die eigentliche Arbeit wird von uns dauernd begleitet.» Dabei gehe es aber nicht nur um die Befindlichkeit des Mitarbeitenden. «Wir müssen auch die Qualität der Produkte im Auge behalten. Der Anspruch unserer Kunden ist, dass unsere Produkte und Dienstleistungen in der Qualität genau gleich gut sind, wie die der Mitbewerber.»

Zusätzliche Infrastruktur

Oftmals erfordert die Erledigung einer Aufgabe den Einsatz von Hilfsmitteln. «Wir können zum Beispiel zusätzliche Maschinen, Waagen oder weitere Hilfsmittel einsetzen, um zu gewährleisten, dass die beeinträchtigte Person, die Arbeit auch wirklich ausführen kann», führt Martin Mock dazu aus. «Rückzugsmöglichkeiten sind notwendig, damit Menschen mit spezifischen Krankheitsbildern überhaupt in der Lage sind, in einem Umfeld mit anderen zusammen zu arbeiten. Arbeitsplätze sind so gestaltet, dass Nischen entstehen, in denen sich Menschen mit einer Beeinträchtigung sicher fühlen und konzentriert ihrer Arbeit nachgehen können.»

Solche Arbeitsplätze verlangen in vielen Fällen angepasste Tischhöhen, Stehhilfen, spezielle Gestelle, Lehren und besondere Maschinen. Zudem müssen die Arbeitsplätze rollstuhlgängig oder mit speziellen, automatisch öffnenden Türen erschlossen sein. Auch nehmen die Arbeitsplätze mehr Raum ein. Schliesslich sind manchmal spezielle Gehörschütze und zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen notwendig. «Um qualifizierte Arbeit ausführen zu können, müssen wir die Arbeitsplätze individuell anpassen, was einen erhöhten finanziellen Aufwand bedeutet. Auch ist die Zahl der Arbeitsplätze im Verhältnis zur erbrachten Leistung viel höher als in einem gewöhnlichen KMU.»

Kurzfristige Anpassungen

Die besondere psychische und körperliche Situation von Menschen mit einer Beeinträchtigung wirkt sich stark auf die Planung und Organisation der Arbeit aus. Martin Mock: «Das bedingt oftmals kurzfristige Änderungen im Team und Anpassungen der Einsatzpläne. So schauen wir jeden Tag aufs Neue, Improvisation und Einfühlungsvermögen sind gefragt!»