Mit Coaching zum Ziel

06.06.2018 , Valida Zeitung

Alle Menschen haben ein Recht auf Arbeit – so sieht es das Modell des «Supported Employment» vor. Soziale Inklusion, Nichtdiskriminierung und Individualisierung sind zentrale Werte, die diesem Modell zugrunde liegen. Job-Coaching ist auch in der Schweiz ein zentraler Bestandteil dieser Wertehaltung. Sämtliche Menschen mit einem erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt sollen von geschultem Fachpersonal unterstützt werden, um sich wieder im Arbeitsmarkt einzufinden.

Die Valida hat Anfang 2015 diese Unterstützungsarbeit mit der neu geschaffenen Abteilung Berufliche Integration professionalisiert. Dank der Hilfe des Job-Coaches haben seither viele Menschen mit Unterstützungsbedarf eine Anstellung im 1. Arbeitsmarkt gefunden. So auch Marco Fitzi.

Der junge Mann wirkt recht gelassen, wenn er über seinen etwas anderen Einstieg in die Berufswelt berichtet. Beim Gespräch mit ihm ist auf den ersten Blick nicht erkennbar, weshalb er Unterstützung durch die SVA und einen Job-Coach benötigt. Im späteren Verlauf erklärt er, dass seine Krankheit mit Medikamenten behandelt wird, was für ihn bei der Bewältigung des Alltags wichtig ist.

Als er vor zwei Jahren seine Lehrstelle als Elektroinstallateur EFZ in Angriff genommen hat, erfüllte er die Anforderungen dafür bestens. Die praktische Arbeit lernte er problemlos, dafür wurden ihm in der Berufsschule von Mitschülern Steine in den Weg gelegt. Die dadurch entstandene Belastung liess seine Leistungen in der Schule, aber auch im Betrieb rapide sinken. Nach zwei erfolglosen Arbeitsplatzwechseln innerhalb des Lehrbetriebs wurde sein Lehrvertrag schliesslich aufgelöst.

Der Abstecher

Marco Fitzi ist definitiv einer, der arbeiten will: Bereits am dritten Tag seinerArbeitslosigkeit half er im Gartenbau aus. Gleichzeitig kümmerte er sich intensiv um die Lehrstellensuche - leider ohne Erfolg. Der SVA Berufsberater kontaktierte Manfred Siegrist, den Job-Coach von Valida, und bat ihn, den jungen Mann auf seinem Weg in die Arbeitswelt zu begleiten. Das Vorstellungsgespräch fand bald darauf statt und Marco Fitzi war bereit, das Bewerbungscoaching in Anspruch zu nehmen.

Dann endlich klappte es! Zwar wurde ihm kein Lehrvertrag versprochen, aber im Oktober 2016 wurde er für ein einwöchiges Schnupperpraktikum als Netzelektriker in den jetzigen Betrieb eingeladen. Marco Fitzis Leistung in dieser Schnupperwoche begeisterte seinen jetzigen Ausbildner Diego Brunner, denn der Lernende beeindruckte mit seinem Wissensvorsprung. Daraufhin boten die Technischen Betriebe in Altstätten Marco Fitzi einen Lehrvertrag für Lehrbeginn im nächsten Sommer an. Die Arbeit des Job-Coaches Manfred Siegrist war damit aber noch nicht beendet. Zum einen wurde ein drei monatiges Praktikum mit dem zukünftigen Lehrbetrieb vereinbart, zum anderen war Marco ein sehr guter Berufsschüler, bekundete aber im Fach Allgemein Bildender Unterricht (ABU) Mühe. Der Vorschlag vom Job-Coach war deshalb, in den Monaten bis zum Lehrbeginn den ABU-Unterricht in der Valida Berufsschule zu besuchen, um in diesem Fach den Faden nicht zu verlieren. So drückte Marco Fitzi jeden Montag die Schulbank.

Das Tief

Das Praktikum verlief, bis auf einen sehr einschneidenden Ausrutscher sehr gut. Die ersten beiden Monate fühlte sich Marco in der Arbeitswelt so wohl wie noch nie. Und auch der Lehrbetrieb bekundete vollste Zufriedenheit. «Marco hat sich sehr gut ins Team integriert und sein praktisches Wissen bereits unter Beweis gestellt», so Diego Brunner.

Als Marco dann seine Medikamentierung herabsetzte, hatte dies einen negativen Einfluss auf den Umgang mit den Teamkameraden. Es kam zu Schwierigkeiten und Unruhen im Team, die den Arbeitsalltag massiv erschwerten und zu Unsicherheiten führten. An einem Freitagabend erhielt dann der Valida Fachmann den niederschmetternden Anruf. Manfred Siegrist erinnert sich: «Für mich war das ein Schock, denn in den bisherigen Gesprächen schien immer alles tip-top zu funktionieren!» Für ihn war der angedrohte Abbruch noch viel zu früh, zuerst wollte er sich beim achtköpfigen Team über die Problematik nformieren. Es stellte sich heraus, dass die Mitarbeiter nicht wussten, wie sie mit Marcos Ausformungen seiner Krankheit umgehen können.

Manfred Siegrist hat sofort ein Teammeeting einberufen. Anhand praktischer Beispiele hat der Experte dann wieder Ruhe ins verunsicherte Team bringen können. Nach dieser Intervention beim Arbeitgeber durch den Job Coach und die Anpassung seiner Medikamente lief alles wieder in erfreulichen Bahnen und das Praktikum wurde sogar um einen Monat verlängert. Der Lernende selber bekam von alledem nichts mit, er selbst bemerkte seine Veränderungen nicht.

Sein Erfolg

Letzten Sommer hat Marco Fitze seine Lehre als Netzelektriker EFZ begonnen. Er überzeugt weiterhin durch seine praktischen und schulischen Fähigkeiten im fachlichen Teil. Einzig im Fach ABU fällt es ihm weiterhin schwer, genügende Noten zu schreiben. Der Stützunterricht der Valida Berufsschule war aufgrund des weiten Weges nicht mehr möglich. Manfred Siegrist suchte deshalb eine Lehrperson in der Region, die Marco im Betrieb Nachhilfe erteilt.

Die Technischen Betriebe in Altstätten begrüssen, dass auch Jugendliche mit erschwerten Bedingungen dank eines Job Coaches eine Lehrstelle im 1. Arbeitsmarkt finden können. Diego Brunner ergänzt: «Für den Betrieb bietet das Angebot eines Job-Coaches viele Vorteile. Es bietet Unterstützung bei Problemen, wie zum Beispiel bei der Intervention im Praktikum. Ebenfalls lastet weniger Druck auf dem Betrieb und es ist sichergestellt, dass im Problemfalle jemand da ist.»

Vorerst hat Marco Fitzi keine weiteren Ziele. Er möchte die Lehre erfolgreich abschliessen und dann weiter schauen. Nach heutigem Wissensstand bleibt er dem Beruf auch danach treu, da ihm die Arbeit noch sehr gut gefällt.