Die Valida erweitert ihr Wohnangebot

28.11.2017 , Valida Zeitung

Jeder Mensch mit Unterstützungsbedarf kann selber bestimmen, wie er wohnen möchte. So sieht es die Uno Behindertenrechtskonvention vor. Die Valida erweitert ihre Wohnformen laufend, damit Bewohnerinnen und Bewohner so selbstbe- stimmt wohnen können, wie sie es wünschen. Doch was bedeutet selbstbestimmt? Wie setzt die Valida die Wünsche der Kundinnen und Kunden um?

Seit Jahrzenten wohnen Menschen mit Unterstützungsbedarf in Heimen. Dort werden sie teilweise rund um die Uhr betreut. Vieles wird für sie übernommen, wie zum Beispiel das Kochen oder das Putzen. Seit der Jahrtausendwende erstarkt das Bewusstsein, Menschen mit Beeinträchtigung aktiv an der Gesellschaft teilhaben zu lassen. Dies beeinflusst auch die Art zu wohnen.

Eigene Liegenschaft

Im Jahr 2002 hat die Valida eine Liegenschaft in der Nähe der Valida an der Rosenfeldstrasse 14 mit vier Wohnungen für mehrere Personen und einem Studio für ein bis zwei Bewohner oder Bewohnerinnen gekauft. Die Bewohnenden dieser Wohnungen werden in Aussenwohngruppen betreut. Valida-Bewohner und Bewohnerinnen haben also seither die Möglichkeit zu wählen, ob sie in einer Wohngemeinschaft im Quartier oder im Wohnhaus am Hauptsitz leben wollen. Beim Wohnen im Quartier kommen auch noch weitere Faktoren auf dem Weg zu mehr Selbständigkeit dazu. So wird beispielsweise die Verantwortung für das zeitgerechte Aufstehen am Morgen, die selbständige Bewältigung des Arbeitsweges, das Einkaufen, das Kochen und das Putzen bis hin zum selbständigen Bezahlen von Rechnungen so weit wie möglich von den Kundinnen und Kunden übernommen. Die Betreuerinnen und Betreuer der Valida unterstützen nur noch wo nötig. Dadurch erweitern sich die Gestaltungsmöglichkeiten für Menschen mit Unterstützungsbedarf.

Wohnen nach Mass

Vom eigenen Zimmer im Wohnhaus bis zum Wohnen in den eigenen vier Wänden: In der Valida finden Menschen mit Unterstützungsbedarf ein Zuhause, das ihren individuellen Wünschen entspricht. Mit der Möglichkeit der Selbstbestimmung der Bewohnerinnen und Bewohnern wurden auch die unterschiedlichen Bedürfnisse sichtbar. Diese sind so verschiedenartig wie die Menschen selber. Die Valida unterscheidet nicht nach Unterstützungsbedarf, sondern setzt die Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner individuell um. Die Betreuerinnen und Betreuer werden dort eingesetzt, wo Notwendigkeiten bestehen. Will zum Beispiel eine Person mit grossem Unterstützungsbedarf im Quartier wohnen, werden die Betreuungsleistungen der Valida entsprechend angepasst. Wo nötig, wird zusätzliches Personal eingestellt oder weitergebildet.

Entwicklung im Wohnbereich

Auch im Wohnhaus beim Hauptsitz an der Zwyssigstrasse werden laufend Verbesserungen realisiert. Als Folge der gestiegenen Lebenserwartung gibt es immer mehr Pensionäre und Pensionärinnen, die bisher nach Ablauf ihrer Erwerbstätigkeit ausziehen mussten. Die Valida hat deshalb den ganzen ersten Stock so angepasst, dass auch Menschen im Pensionsalter weiterhin in der Valida ein Zuhause finden. Dafür mussten bauliche Massnahmen ergriffen werden wie zum Beispiel automatisch öffnende Türen. Auch eine angepasste Infrastruktur in Form von Bettenliften, barrierefreien Küche, Hebebadewannen etc. ist für die Pflege älterer Menschen notwendig. Aktuell wird das Unterstützungsangebot für die Begleitung von älteren Menschen ausgebaut. Das Personal wird deshalb weitergebildet und das Stellenprofil ändert sich. Auch für Lernende stellt die Valida verschiedene Möglichkeiten zu Verfügung. Wenn sie nicht zu Hause bei den Eltern wohnen, finden sie im Wohnhaus oder in einer Wohngemeinschaft ein neues Zuhause. Das bietet ihnen in beiden Fällen einen geschützten Raum und einen strukturierten Rahmen für ihre Entwicklung. Die Wohnung im obersten Stock des Wohnhauses wurde so eingerichtet, dass sie aktuell von vier Jugendlichen im Alter von 17 bis 19 Jahren genutzt werden kann.

Steigende Nachfrage

Als die Valida vor 15 Jahren begann, ihr Wohnangebot zu erweitern, indem Wohnungen im Quartier bezogen wurden, nutzten nur wenige Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Wohnhaus diese neue Möglichkeit. Bis 2014 wohnten die Bewohnenden hauptsächlich entweder im Wohnhaus oder in Aussenwohngruppen. Die Betreuungsleistung in den Aussenwohngruppen entsprach dem damaligen Standard, schloss jedoch gewisse Bedürfnisse von Menschen mit Unterstützungsbedarf aus. Gemäss der Uno Behindertenrechtskommisson baut die Valida seit 3 Jahren ihr Angebot stetig aus. Die Bewohnenden können mit dem individuellem Betreuungsangebot so wohnen, wie gewünscht. Die Anzahl der externen Interessenten steigt seit da an. Dass solch individuelle Wohnsettings mit ebenso individuell angepasster Betreuung sehr attraktiv für Menschen mit Unterstützungsbedarf sind, zeigt sich klar in den Anfragen. Mittlerweile mietet die Valida im Lachen-Quartier 26 Wohnungen für Kundinnen und Kunden. Diese schaffen Raum für neue Erfahrungen und persönliche Entwicklung. Bewohnende, die über ein gewisses Mass an lebenspraktischen Fähigkeiten verfügen und nur wenig Betreuung benötigen, können eine Kleinwohnung beziehen und in festgelegten Entwicklungszielen ihre lebenspraktischen Fähigkeiten weiter festigen. Nach Erreichung der Ziele ist es naheliegend, aus der Valida auszutreten und die Wohnung überschreiben zu lassen. So wird gewährleistet, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner in ihrer vertrauten Umgebung weiter heimisch fühlen können. Ob und wie weitere Betreuungsleistungen benötigt werden, wird von Fall zu Fall mit den Kundinnen und Kunden vereinbart.

Lebenspraktische Unterstützung und Freizeitgestaltung

Neben der massgeschneiderten Betreuung steht für die Betreuenden die lebenspraktische Unterstützung bei Aufgaben des Alltags im Fokus. Diese sollen von den Bewohnerinnen und Bewohner so weit wie möglich selbstständig gemeistert werden, egal für welche Wohnform sich die Personen entscheiden. Wie bei der Wohnform so gilt auch hier der Grundsatz «so viel Unterstützung wie nötig, so wenig wie möglich». Ob die Betreuerinnen und Betreuer beispielsweise für das Bezahlen der Rechnungen oder das Buchen der Ferien in Anspruch genommen werden, liegt im Ermessen der Bewohnenden.

Ausserhalb der Arbeitszeiten bietet die Valida seit geraumer Zeit diverse sportliche oder musischkulturelle Angebote an. Neu wird nun auch den Pensionärinnen und Pensionären eine noch aktivere Freizeitgestaltung geboten. Häufig nehmen auch Bewohnende aus dem Quartier teil. Die Valida hat sich zur Aufgabe gemacht, soziale Grenzen abzubauen. Sie teilt die Bewohnerinnen und Bewohner nicht nach Unterstützungsbedarf ein, sondern passt ihre Betreuung und Angebote den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohnern an. Sie nimmt in der Gestaltung der Wohnsettings, des Alltags und der Arbeitswelt eine Vorreiterrolle ein.