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Selbst- und Mitbestimmung von Mitarbeitenden

16.12.2020 , Neuigkeiten, Valida Zeitung

Vor gut einem Jahr gelangte die Valida mit einem Projekt bezüglich der Selbst- und Mitbestimmung von Mitarbeitenden mit Unterstützungsbedarf an die FH Ost. Ziel des Projektes sollte die Ausarbeitung von Instrumenten und Tools sein, welche den Mitgliedern der Mitarbeitenden-Vertretung «offenes Ohr» eine vereinfachte Selbst- und Mitbestimmung ermöglichen, so dass sie Anliegen ohne oder mit weniger Unterstützung einer Fachperson bearbeiten können.
Die Mitarbeitenden-Vertretung entstand aus einem Projekt in Bezug auf die Teilhabe der Menschen mit Unterstützungsbedarf im sozialen Unternehmen Valida. Aktuell besteht die Gruppe aus vier Mitarbeitenden aus dem Industriebereich, wobei diese durch eine Gruppenleiterin, welche ebenfalls im Industriebereich tätig ist, begleitet werden. Anstoss für das Einreichen des Projektes bei der FH Ost waren Abweichungen zwischen den Vorstellungen der Initianten des «offenen Ohres» und der tatsächlichen Selbst- und Mitbestimmung der Gruppe. Es hatte sich gezeigt, dass die Mitarbeitenden-Vertretung mehr und längerfristig Ressourcen benötigte, als zu Beginn angedacht.
Zu Projektbeginn galt es für die Studierendengruppe zu klären, warum die Selbst- und Mitbestimmung des «offenen Ohres» nur teilweise funktioniert und sich Anliegen von Mitarbeitenden ohne Rückmeldung verlieren. Um ein erstes Bild der Funktionsweise der Mitarbeitenden-Vertretung zu erhalten, wurden teilnehmende Beobachtungen durchgeführt. Während diesen zeigten sich erste Stolpersteine in Bezug auf Kommunikation und Mitsprache. Annahmen aus diesen Beobachtungen sollten im Anschluss durch Leitfadeninterviews bestätigt oder widerlegt werden. Die Leitfäden gaben dabei den inhaltlichen Rahmen vor, dennoch blieb viel Raum für flexibles Eingehen auf neue Erkenntnisse während der Interviews. Die Auswertung der erhobenen Daten haben in Verbindung mit den Erkenntnissen aus der Theorie, die Entwicklung der gewünschten Instrumente ermöglicht.
Eine erste Erkenntnis aus dem Projekt hat ergeben, dass Unklarheiten bezüglich Begrifflichkeiten bestehen. So muss in einem ersten Schritt geklärt werden, was Ziel und Zweck einer Sitzung, eines Protokolls, etc. ist. Halbwissen und Unsicherheiten in diesem Bereich verbrauchen viele (zeitliche) Ressourcen, ohne Ergebnisse zu erzeugen. In einem zweiten Schritt muss Klarheit hergestellt werden bezüglich der Rolle, welche die einzelnen Mitarbeitenden als Teil der Mitarbeitenden-Vertretung inne haben. Es muss auch klar sein, welche Rechte und Pflichten die Zugehörigkeit zum «offenen Ohr» mit sich bringt.
Des Weiteren hat sich im Verlaufe des Projektes gezeigt, dass gewisse offizielle Dokumente wenig dazu eignen, die Gruppe «offenes Ohr» arbeitsfähig zu machen. Ein Instrument, welches erstellt wurde, ist ein vereinfachtes und klareres Organigramm. Dieses kann durch die Mitarbeitenden-Vertretung nach eigenen Bedürfnissen angepasst und erweitert werden. Es soll dann dabei unterstützen, Anliegen direkt zuordnen zu können, so dass sich Zwischenschritte, wie die Abklärung von Zuständigkeiten, minimieren lassen.
Um mehr Klarheit im Bereich der Sitzungsstruktur zu erzeugen, wurde von der Studierendengruppe ein Sitzungsleitfaden erstellt, an dem sich die Mitarbeitenden des «offenen Ohres» vor, während und nach der Sitzung orientieren können. Dadurch wird eine optimalere Vor- und Nachbereitung möglich, damit sich Aufgaben weniger in die Länge ziehen und nicht mehr Gefahr laufen, zu versanden.
Zur Aufgaben- und Terminplanung wurden verschiedene, bereits bestehende, virtuelle Möglichkeiten vorgestellt, so dass die Mitarbeitenden-Vertretung eine Idee erhalten hat, was zur Unterstützung genutzt werden könnte.
Kurz vor Projektbeginn wurde die Schweiz von der ersten Covid-19 Welle getroffen. Ein Projektstart wie angedacht, inkl. Kennenlernen der Projektmitglieder und der Auftraggeber konnte nur virtuell stattfinden. Covid-19 war während der gesamten Projektdauer eine Herausforderung und verlangte sowohl von den beteiligten Personen der Valida, wie auch von den Studierenden und den Begleitpersonen der FH viel Flexibilität, Einsatzwillen und Sonderleistungen. Da die Sinnhaftigkeit des Projektes aber für alle Beteiligten klar gegeben war, wurden die Hindernisse nach und nach aus dem Weg geräumt und das Projekt konnte mit der Präsentation der Ergebnisse zu einem guten Ende geführt werden.

Seraina Schweizerin, Gruppenleiterin Valida Industrie